aktuelle Veranstaltungen Projekte CD-Produktion  20. Berliner Märchentage
Tadshikische Teestube für Schulen 

und Kindergärten



"Von Schöpfern und Geschöpfen"


aktuelle Workshops      

Nina Korn 

interessante Links Katja Popow   Ilse Korn Kontakt
oder wo? NEU !

Lese-Empfehlungen

Das Märchen des Monats Presse

 


Die drei Federn

Dieses Märchen  wurde von Nina M. Korn in einem Wortschatzprojekt für eine 4. Klasse
   
- f r e i - nacherzählt und im Wortlaut aufgeschrieben.  Eine Veröffentlichung in Print- oder Online-Medien ist nicht gestattet.  

Die Rechte der Veröffentlichung liegen bei Nina M. Korn.

Den Originaltext finden SIE in der Märchen- Sammlung der Brüder Grimm.

Die mit  * versehenen Worte sind Teil des Projekts (siehe Anhang!) 




Es war einmal ein König. Nun – der König war schon alt, war sehr erschöpft* und müde vom vielen Regieren. Er fühlte die Last auf den Schultern, die ihm der schwere königliche Purpurmantel* bereitete, er spürte das Gewicht der goldenen Krone auf seiner Stirn – und das störte ihn beim Denken. Denn er dachte immer öfter über sein Leben nach und  überlegte zum Beispiel: Warum ist es eigentlich so, dass der neue König erst nach dem Tode des alten bestimmt wird? Wenn ich jetzt schon meinen Nachfolger* bestimme, habe ich viel mehr freie Zeit und muss nicht Tag und Nacht regieren! Jawohl! Ich werde schon bald einen meiner Söhne auf den Thron setzen!
  
Der König, müsst ihr wissen, hatte nämlich 3 Söhne. Die beiden Älteren waren große stattliche* Kerle. Breitschultrig und schlau waren sie, und  sie hielten sich für die gescheitesten* Leute der Welt. Der jüngste Bruder  aber, der dritte, hieß nur: „der Kleine“. Naja, er war ein wenig ängstlich und ein bisschen tollpatschig*. Schon als sie Kinder waren, hatten die großen Brüder oft über ihn gelacht, ihn verspottet und ihm den Namen „Dummbartel“* gegeben. Inzwischen war auch er erwachsen, und die Brüder sagten nun „Dummbart“ zu ihm. Obwohl dem kleinen Prinzen noch kein einziges Barthärchen wuchs, weder auf der Oberlippe, noch auf dem Kinn.

Eines Tages sagte der König: “ Meine Söhne, kommt morgen früh in den Schlosshof – und zieht euch warm an, denn ich werde euch in die Welt schicken!“. Die beiden älteren Brüder kamen gestiefelt und gespornt   und hoch zu Ross.* Der Jüngste aber kam auf Schusters Rappen*. Da standen die Drei nun im Schlosshof und sahen den König gespannt an. Der schaute vom Balkon zu ihnen herunter und sprach: „Zieht in die Welt- meine Söhne - und schaut euch gut um!  Jeder von Euch soll einer Feder nachgehen! Ich werde gleich für jeden eine in die Luft blasen! Dort, wo sie niederfällt, sollt ihr Ausschau halten* nach dem feinsten Teppich und ihn als Geschenk für mich erwerben*! Wer mir den schönsten Teppich bringt, den will ich  zum König ernennen! Ich will nämlich nicht, dass nach meinem Tode im Königreich ein Streit  entsteht  - um Krone und Thron!“

Er nahm drei schöne Federn und blies sie in die Luft...
Die Erste flog mit einem kräftigen Windstoß dahin, wo die Sonne aufgeht, und der Älteste ritt ihr nach. Die Zweite flog mit einem leichten Windstoß dahin – wo die Sonne untergeht. Und auch der mittlere Bruder ritt seiner Feder hinterher. Dann aber ging dem König wohl die Puste* aus – denn da kam bloß ein kleiner Windstoß und trug die dritte Feder nur über die Schlossmauer. Der jüngste Prinz lief hinterher, sah sie durch die Luft trudeln* und auf die Erde fallen, auf die große, grüne Wiese, die gleich hinter dem königlichen Schloss begann.

„Ach je!“ sagte er, setzte sich hin und schaute sich  betrübt* um und fragte: „Wo soll ich denn hier einen Teppich erwerben?“ Er hob seine Feder auf, um zurück ins Schloss zu gehen. Doch da - als  er sich bückte - entdeckte er etwas unter den Grashalmen. Dort befand sich eine Falltür* mit einem eisernen Türgriff!  Er zog daran  und sah, dass da viele Stufen hinab ins Erdreich führten. Erst zauderte* er ein wenig, doch schließlich stieg er die Stufen hinunter. Ganz langsam, denn hier unter der Erde war es dämmrig* und es gab viele, viele Treppenstufen...
Endlich war er unten und stand  diesmal - vor einer richtigen Tür. Er klopfte höflich an, wartete und hörte von drinnen eine seltsame* Stimme, die auch etwa Seltsames rief:

"Jungfern, grün und klein, Hutzelbein! Hutzelbeins Hündchen!  
Hutzelt hin und her ! Lasst geschwind * sehen, wer draußen wär"

Dem kleinen Prinzen war etwas bange*, aber da sprang die Tür schon auf. Er betrat einen riesengroßen, steinernen Saal und wagte kaum einen Schritt zu tun, denn vor ihm auf den Steinen saßen und hüpften viele, viele kleine hellgrüne und dunkelgrüne Frösche. Aber in der Mitte des Raumes saß  auf einem großen Stein eine dicke Kröte. Die sah ihn aus ihren runden, goldenen Augen an und sprach: „Naaa, du hübscher Prinz? Was ist dein Begehr*? Sag’ ohne Zaudern* warum kommst du hierher?“Der Prinz antwortete sehr höflich: „Guten Tag, Frau Kröte! Ich soll für meinen Vater einen schönen, feinen Teppich finden und heimbringen. Ich weiß aber nicht, wo ich den hier finden könnte!“ Die Kröte quakte leise und es klang wie ein Lachen. Dann sprach sie wieder:
                                      „Jungfern grün und klein! Hutzelbein, Hutzelbeins Hündchen, 
hutzelt hin und her! Bringt mir die schöne Schachtel her!“


Gleich hüpften viele Fröschlein davon und kamen rasch* wieder. Auf ihren Rücken trugen sie eine große, runde Schachtel! Der Jüngling durfte sie öffnen und staunte: Da kam  ja wahrhaftig ein Teppich zum Vorschein!* so einen prächtigen hatte er noch nie gesehen! Er sagte voller Freude: „Wenn den mein Vater erblickt, wird er große Augen machen! Hab vielen Dank, liebe Frau Kröte! Die quakte – und es klang wieder wie ein Lachen...
„So kehre heim, Königssohn! Aber verrate keinem, wo  und von wem du den Teppich bekommen hast!“ 
Der stieg die Stufen voller Freude empor und trug den Teppich in das väterliche Schloss. Seine beiden Brüder waren schon lange zurück. Der Jüngste wollte es kaum glauben, als man ihm sagte, dass er sieben Monate fortgewesen sei! Aber als man ihn fragte, wo er denn gewesen wäre, verriet er sein Geheimnis nicht.
Dem König gefiel der Teppich seines jüngsten Sohnes am besten.

Denn die
beiden älteren Brüder hatten sich gar keine Mühe gegeben. Dort,wo ihre Federn niedergefallen waren, hatten sie ihr ganzes Geld für gutes Essen und schöne neue Sachen verprasst*. „ Unser Dummbart..“ dachten sie... “Der findet sowieso keinen Teppich!“  Da machten sie aber nun sehr dumme Gesichter, denn der König sagte:  „Dies ist der schönste Teppich, den ich jemals sah!  Euer jüngster  Bruder wird also König!“
Die Brüder machten  ein großes Geschrei:„  Nein!! Das geht nicht!  Vater nein!   Du kannst doch nicht dem Dummbart die Krone geben!“

Der alte König gab nach Er wollte eine zweite Aufgabe stellen. Wieder stand er am Fenster und blies die drei Federn in die Luft und verlangte, dass jeder – als Geschenk für den Vater – einen kostbaren Ring suchen und mit heimbringen solle. Wieder ritten die beiden Älteren ritten auf ihren Pferden davon. Der Jüngste aber fand seine Feder wieder auf der  Wiese.
Als er diesmal - ganz beherzt*  – die Falltüre geöffnet und unten an die Tür gepocht hatte, begrüßte ihn die dicke Kröte wie beim ersten Mal und sprach:

„Nun, lieber Prinz, du bist  ja schon wieder zurück -- ?
Was ist diesmal dein Begehr?“



„Ach, der Vater hat uns aufgetragen, einen kostbaren Ring heimzubringen. Ich weiß nur nicht, ob ich den hier finden kann?“ “Quaak - quaak! Lass mich nur machen!“ antwortete  die Kröte und rief wieder ihr seltsames Sprüchlein. Und schon hüpften einige Fröschlein davon und kamen bald darauf mit der schönen runden Schachtel zurück. Als der Prinz hineinlangen durfte, fand er einen Ring, kostbar und schön, mit einem riesigen, roten Rubin, dass er ganz sprachlos* war. Er vergaß aber nicht, sich zu bedanken. Die alte Kröte ermahnte ihn wieder, das Geheimnis nicht zu verraten! Bald war er daheim, im väterlichen Schloss – und auch diesmal war viel Zeit vergangen: sieben Wochen nämlich. Seine Brüder kamen auch gerade von ihrer Reise zurück. Wieder hatten sie sich keine Mühe gemacht. Weil sie so hochnäsig* waren, dachten sie alle beide:  Einen Goldring findet  unser Dummbart nie im Leben! Aber dann machten sie große Augen und rissen den Mund auf, als der
Jüngste dem Vater sein Juwel*  überreichte. „Ja! Nun, das sieht doch wohl jeder..“ freute sich der König. „ Euer Bruder wird König!“ 

Da fingen die beiden Älteren einen solchen Lärm an, schrieen und stritten so laut, dass der arme alte König, der seine Ruhe haben wollte, noch einmal nachgab*. Wieder mussten sich die drei Söhne im Hof versammeln und der König sagte zu ihnen: Diesmal will ich kein Geschenk! Geht den Federn nach! Und dort, wo sie niederfallen, soll jeder sich nach einer Braut umschauen. Wer die schönste heimbringt, wird König und keiner sonst. Basta! Ich werde ihm am  Hochzeitstag die Krone aufsetzen.“

Eilig ritten die zwei älteren Brüder den Federn hinterher. Nur der Jüngste  hatte einen kurzen Weg. Die Feder landete auch zum dritten Male auf der Wiese.  Diesmal lief der Prinz schnell die Treppen hinunter. Er wollte sich mit der Kröte beraten, wo er denn hier eine schöne Braut finden könnte. Die Tür ging auf iund schon stand er vor der Hausherrin und verbeugte sich. Sie quakte ganz freund lich: Also, kleiner Prinz, da bist du ja schon wieder! Und diesmal hat der Vater euch Brüdern aufgetragen, eine Braut zu suchen, stimmt’ s?“
Der Königsohn staunte: „ Wie? Das weißt du schon, Frau Kröte???“ „ Oh - jaa“ quakte sie, „ich weiß so mancherlei*,  und meine Jungfern tragen bereits die schöne Schachtel herbei!“  Und wirklich! Da kamen sie schon angehüpft..
 

Der Königsohn rieb sich nachdenklich die Stirn und dachte: ´soll ich etwa meine Braut in dieser Schachtel suchen??` Quaaquaak – lachte die Kröte als hätte sie seine Gedanken erraten. „ Nicht suchen sollst du sie!
Sondern  hineinsetzen in die Schachtel!!“ “Hineinsetzen ?? Aber wen denn??“ fragte der Prinz!  „Musst dich nur umschauen!! Hier unter meinen vielen hübschen grünen Jungfern wirst du schon die rechte Braut ausfindig machen!* Trage sie hinauf in den hellen Sonnenschein – und werde glücklich mit ihr!

Tja, was sollte der Königsohn nun tun? Ein grünes Fröschlein als Braut heim-führen? Aber - - hatte ihm die Kröte denn nicht schon zweimal auf wundersame Weise geholfen - ?? Er bemerkte plötzlich, dass sich viele kleine und große Fröschlein zu seinen Füßen zusammendrängten und eifrig auf – und ab sprangen. Einige hüpften so hoch hinauf, dass sie seine Hände berührten. Da lachte der kleine Prinz, kehrte seine Handfläche nach oben und rief: „Wer meine Hand erlangen will muss hineinspringen!“ Da ging erst mal ein Hüpfen und Hopsen los! Er hätte nicht bis drei zählen können – da saß schon ein kleiner Frosch in seiner offenen Hand.  Jetzt nickte der Prinz der dicken alten Kröte zu und rief lachend: Mir scheint, ich habe eben eine Braut gefunden, Frau Kröte!“ Mit diesen Worten machte er sich auf den Rückweg.
Wieder auf der grünen Wiese, setzte er die Schachtel ins Gras, verschloss die Falltür und nahm  dann – vorsichtig -  das kleine Fröschlein in die Hand. Es war sehr hübsch, mit goldenen Tupfen auf der Haut. Aber ängstlich schien es zu sein! Man sah deutlich, wie schnell ihm das Herz im Halse schlug.
„Nur keine Angst, Fröschchen! Ich nehme dich als meine Braut mit ins Schloss zu meinem Vater! Und wenn die Brüder lachen , dann lach ich mit. Ich bringe dich  heute noch in unseren Garten, zum Springbrunnen!  Dort kannst du bleiben und wir werden die besten Freunde!“ Das Fröschlein sah ihn jetzt ganz zutraulich an, reckte sein Köpfchen hoch und quakte leise, als wolle es ihm etwas sagen. Der Prinz hob die Hand mit dem Frosch zu seinem Ohr  hoch. Da hörte er plötzlich eine feine Mädchenstimme : „ Der Brautkuss! Vergiss den Brautkuss nicht!“ Der Prinz machte große Augen – - Doch dann, ohne sich lange zu besinnen,führte er die Hand zu seinem Mund und spitzte die Lippen.

Und er gab der kleinen  grünen  Wasserjungfer einen Kuss.
Freilich schloss er dabei lieber die Augen und machte sie erst nach einem Weilchen wieder auf. Das Fröschlein war aus seiner Hand verschwunden.  Auch die schöne Schachtel lag nicht mehr im Gras- .  Stattdessen stand – nur ein paar Schritte hinter ihm  - eine goldene Kutsche mit einem prächtigen Schimmelgespann. Die Tür  der Kutsche sprang auf und ein zauberhaftes  Fräulein* im glänzendem grün- goldenen Seidenkleid stieg aus und winkte ihm zu . Auf einmal war er  gar nicht mehr der schüchterne „kleine Prinz“ sondern ein glücklicher Bräutigam. Rasch lief  er zur Kutsche verbeugte sich tief und fragte: „ Darf ich denn wirklich dein Bräutigam sein?“ Da nickte sie und sprach. „Oh ja – nichts lieber als das! Du hast mich ja erlöst mit dem Brautkuss! Mich und meine Mutter, die eine Königin war und zur dicken alten Kröte wurde. Auch alle meine Brüder und Schwestern, alle Hofdamen und Diener mussten Frösche sein. Wir waren verwünscht von einem bösen Zauberer so lange in der dunklen Erdhöhle zu leben, bis ein Königsohn mich ganz freiwillig zu seiner Braut machen würde. 

Jetzt nahmen sie einander fröhlich  bei den Händen, und gingen -  hinter der Kutsche her – zum Schloss hinüber.
Die älteren Brüder waren diesmal noch nicht zurück. Dem alten König aber gefiel die schöne Prinzessin so gut, dass gleich am nächsten Tag die Hochzeit gefeiert wurde. Was aus den Brüdern geworden ist, lässt sich schnell erzählen: Sie waren bei ihren Abenteuern ganz heruntergekommen, hatten alles Gold verschwendet und Schulden gemacht. Schließlich landeten alle beide sogar im Schuldturm, bis ihr Vater, der alte König, sie freikaufte. Als sie heimkehrten, war ihr jüngster Bruder längst König. Da zogen sie wohl sehr  lange Gesichter. Aber keiner von beiden sagte jemals wieder ‚Dummbart’ zu ihm. Der KLEINE war ein guter, kluger und gerechter König und bekam mit seiner lieben, lustigen Prinzessin viele kleine --- Fröschlein ??
Nein! Natürlich  viele Kinder ! Na – und wenn  sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch ...

E N D E




Worterklärungen:

Purpurmantel dunkelroter Königsmantel
stattlich groß und kräftig
gescheit klug
tollpatschig ungeschickt
gestiefelt und gespornt Redensart: Stiefel und Sporen tragen, Sporen = Eisen am Stiefel
Ross Pferd
Wams und Samtbarett Prinzenkleidung, Wams = Weste, Samt = seidige, glänzende Stoffart,
Barett = Mütze mit Feder
auf Schusters Rappen Redensart: Der Schuster macht Schuhe - man geht also zu Fuß
Ausschau halten sich umsehen, umschauen
trudeln etwas segelt durch die Luft, dreht sich dabei und fällt langsam herunter
betrübt traurig
Falltür Tür, auf der Erde liegend, mit einem Metallgriff aufwärts zu öffnen
zaudern zögern, abwarten
beherzt mutig, keine Furcht im Herzen haben
seltsam ungewöhnlich, zum Staunen
Jungfer, Jungfern unverheiratete junge Frauen
pochen klopfen, schlagen (Herzschlag)
Was ist dein Begehr? Redensart: Was möchtest Du?
zum Vorschein kommen etwas, das man vorher nicht sah,  wird sichtbar
er wird Augen machen Redensart: Er wird staunen, er wird erstaunt die Augen aufreißen
Fransen am Teppichrand befinden sich angeknotete Fäden, die Fransen
Vorleger, grob gewebt Teppich, aus einfachem dicken Garn gewebt
Hab und Gut verprassen das, was man besitzt, ohne Nachdenken in kurzer Zeit ausgeben und verschwenden
dulden ertragen, erlauben, hinnehmen
eilends, im Handumdrehen schnell, rasch
nun und nimmermehr Redensart: jetzt und niemals mehr
bedrängen zu nahe kommen, überreden, jemandem zusetzen, zu dicht, zu nah  an den anderen kommen
freien ein Mädchen fragen, ob es seine Braut werden will
verdutzt erstaunt, überrascht sein
Geheiß Befehl, Anordnung
Kutschenschlag die Tür der Kutsche
flugs schnell, wie im Flug
scheu ängstlich, vorsichtig